Pyro in Primary Colors (blue, yellow and red)

Galerie Hübner & Hübner, Frankfurt a.M.

Fussball

Digitale Collage, Pigment Print auf Hahnemühle Papier

2024

Größe: 25 x 50 cm (5er Edition)

Foto: Tobias Hübel

8 / 26

Das Runde geht in das Eckige - doch beim Fußball passiert noch viel mehr. Fußball ist voller Geschichten, Situationsbeschreibungen und Emotionen, die Künstlerinnen und Künstler in ihren Werken ausdrücken, einige als Zuschauende, andere als Aktive. Patricia Lambertus beispielsweise vermittelt in ihren Arbeiten die Leidenschaft der Fans, die ihr Team begleiten und mit ihm während eines Spieles fast buchstäblich durch Himmel und Hölle gehen.

Die in der Ausstellung gezeigten Digital Prints sind viel malerischer und atmosphärischer, als man es von anderen Arbeiten der Künstlerin vielleicht kennt. Wir kennen sie als Komponistin von figürlichen und ornamentalen Bildern und Fragmenten, die grafisch und szenisch Geschichten erzählen. Deren besonderer Reiz liegt häufig auf dem sichtbaren und oft kontrastreichen Aufeinanderprallen von Gegensätzen und Welten. Hier geht Patricia Lambertus anders vor. Zwar sind auch diese Arbeiten Kombinationen von zahlreichen gefundenen Bildern aus Fußballstadien, die sie digital bearbeitet und zusammensetzt. Sie vermeidet dabei aber eine typische Collagen-Ästhetik. Nur wenn man genau hinschaut, kann man an einigen Stellen Übergänge von einem Stück zum anderen nachvollziehen. Hier geht es ihr vielmehr um einen malerischen, atmosphärischen Bildeindruck. Ihr Ausgangspunkt war dabei William Turner, der Meister von Wolken, Rauch und Dunst, die er wirkungsvoll mit Licht inszeniert. Ähnliche Lichtverhältnisse und eine besondere, dunstige Atmosphäre finden sich auch bei Patricia Lambertus. Sie sind zu überwältigenden Farborgien geworden. In jedem der drei Bilder ist das glühende Licht, die Auflösung der Form und die geradezu körperliche Macht der Farbe zu spüren - Elemente, die ebenfalls auch William Turner in seinen Arbeiten einsetzt, wenn auch auf eine seiner Zeit entsprechenden Art und Weise.

Patricia Lambertus findet ihre Turner-Momente nicht in Technik und Landschaft, sondern im Stadion. Sie hält die von Bengaloschwaden gesättigte Luft während eines Fußballspiels fest. Jeder der drei Bilder hat einen anderen Schwerpunkt. Im ersten Bild ziehen drei Ordner in Sicherheitswesten unseren Blick in eine Wand von gelben Rauchschwaden hinein. Auf dem zweiten Bild mit den rhythmisch angeordneten Fackeln erinnern Feuer und Rauch eher an Hölle, als an eine Freizeitanlage, in der man entspannt einem Fußballspiel zuschauen kann. Dem Himmel näher fühlt man sich hingegen, wenn man dann durch blaue Schwaden in ein, Erlösung versprechendes helles Licht schaut. Himmel und Hölle - durch diese Stadien geht so mancher Fan während eines Fußballspiels. Patricia Lambertus zeigt, in dem sie gefährliches Bengalisches Feuer zum Hauptthema nimmt, eine Ästhetik des Schreckens und nicht das Spiel selbst auf dem grünen Rasen. Sie vergegenwärtigt die starken Gefühle der Zuschauenden und zieht uns in ihre Bilder hinein. So durchlaufen auch wir alle Emotionen eines Spieles zwischen Hölle und Paradies, als ob auch wir mit dabei wären.

Dr. phil. Hanneke Heinemann