somewhere down the road

2010
Städtische Galerie, Bremen
Raumteiler
Tapete
306 cm x 80 cm x 820 cm

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Material:
- eigens in Auftrag gegebene Fototapeten:
Motiv 1 zeigt einen Palmenstrand, freigelegte Schichten von mehreren Tapeten und eine Schimmelstelle auf der Wand. Die Situation wurde in einem Abbruchhaus in Hamburg vorgefunden, abfotografiert, digital bearbeitet und als Fototapete gedruckt.
Motiv 2 zeigt Ausschnitte aus der „Woodpecker-Tapete“ von William Morris (1885), digital bearbeitet und als Fototapete gedruckt.
- Textiltapete „Ornamenta/Italy“
- Backsteinimmitat-Tapete
- diverse Originaltapeten aus den 1970er und 1980er Jahren

„Collage-Technik ist die systematische Ausbeutung des zufälligen oder künstlich provozierten Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten auf einer augenscheinlich dazu ungeeigneten Ebene – und der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten überspringt.“ Max Ernst, 1962

Ich nutze das Collage-Prinzip für meine künstlerische Arbeit. Die Wahl der Tapete als Material entstand aus der Frage, mit welchen „Raumbildern“ wir uns täglich umgeben und in welchen wir aufwachsen.

Tapeten sind stark mit unserem Alltag verhaftet, sowie mit einem bestimmten Lebensgefühl, das zu der jeweiligen Zeit vorherrschend war. Es ist ein mit Erinnerungen behaftetes Material, das sowohl geschichtlich wie auch gesellschaftspolitisch viel „erzählt“. Mit diesem Material erzeuge ich Raumbilder, Wandcollagen, die sichtbar gemachte Überlagerungen zeigen und neue Assoziationsfelder öffnen.

„somewhere down the road“, bezeichnet im englischen Sprachgebrauch auch ein „Irgend-wann“. In der so benannten Arbeit sind mir folgende Aspekte wichtig: die ablesbare Zeit einer Decollage durch die Überlagerungen unterschiedlicher Tapeten die Wand, die durch die beidseitige Bearbeitung zum Objekt im Raum wird die Spannung zwischen „high culture“ und „low culture“, indem die edle Luxus-Textiltapete mit ihrem flächigem Fleuron Rapport auf die massenkompatible, illusionistische Darstellung des Südseetraum Kitsches der Papiertapete trifft das Herunterbrechen einer alten historischen Textiltapete (Morris) auf das Niveau einer Fototapete, um hier einen Vergleich von Handgearbeiteten Bild zum fotografischen Abbild zu ziehen das naturinspirierte Abbild, das wir uns in unterschiedlichen Ausprägungen in unsere Wohnung holen, das Immergrüne, nie dem Verfall und dem Rhythmus der Jahreszeiten unterliegend Florale, einmal stilisiert als Ornament, einmal fotorealistisch, aber immer ein Versprechen, immer Abbild unserer Sehnsucht nach dem Paradies – das wir „irgendwann“ hoffen zu erreichen.